Von links nach rechts: skeptische Japanerin, bovi und süße Japanerin. Aufgenommen auf der RubyWorld Conference in Matsue.

Matsue ist eine kleine 200.000 Seelengemeinde knapp 150km nördlich von Hiroshima. Bekannt hauptsächlich aufgrund der dortigen Burg, welche zu den wenigen erhaltenen Original Bauwerken Japans zählt.

Doch aus Ruby Gesichtspunkten gibt es einen weiteren Grund, diese Stadt einmal im Leben zu besuchen. Matsue ist der Ruby Mekka (hat Java so etwas eigentlich?). Vor 16 Jahren wurden hier die Grundsteine durch Yukihiro Matsumoto gelegt, welche Schlussendlich in einer der ausdrucksstärksten (Achtung subjektiv!) Programmiersprache gipfelten, die die Welt je gesehen hat. Matsue hat den Wert dieser Programmiersprache 2006 erkannt und leitet seitdem ein Projekt mit dem Namen “Ruby City Matsue”. Dabei handelt es sich um eine Kampagne, die örtliche Regionen durch Open Source Software zu stärken. Wie auch andere kleinere Städte, leidet Matsue sehr unter der Abwanderung von jungen Fachkräften. Diese werden eher von den lauten und exklusiven Metropolen angezogen. Durch eine Fokussierung auf Ruby sieht die Stadt nun eine Möglichkeit, Industriezweige wieder zurück zuerobern. Wie ernst es der Regierung damit ist, zeigt die RubyWorld Conference. Es handelt sich hierbei um eine Konferenz mit knapp 600 Teilnehmern. Vollständig kostenlos für die Teilnehmer und absolut professionell organisiert. Über zwei Tage wurden japanische und englische Vorträge von Rubyisten wie Tim Bray, Koichi Sasada, Jeremy Kemper, Charles Nutter, Thomas Enebo, Evan Pheonix und natürlich auch Yukihiro Matsumoto gehalten. Eine simultan Übersetzung zwischen englisch und japanisch machte dies für das knappe dutzend an nicht japanisch sprechenden Teilnehmern auch interessant.

Ein für mich sehr interessantes Thema waren die Standardisierungsarbeiten an Ruby. Innerhalb von zwei Vorträgen und einer Panel Diskussion zwischen Yukihiro Matsumoto, Shunichi Kajisa (Microsoft), Takashi Shitamichi (Sun Microsystems), Yoshihiko Hara (Fujitsu), Masaya Mori (Rakuten), Katsuhiko Kakehi (Waseda University) und als Moderator Shuichi Tashiro (Information-Technology Promotion Agency) wurde das Thema dem Publikum näher gebracht. Hierbei stellten die einzelnen Firmenvertreter die Berühungspunkte Ihres Unternehmens mit Ruby vor und warben um Unterstützung bei diesem Normungsprozess. Die vorgestellt Roadmap eines Professors der Waseda Universität peilt das Jahr 2012 für eine erste JIS Norm an. Nach dieser Normierung, soll eine weitere ISO Standardisierung folgen. Ein sehr spannendes Thema, gerade weil man ausserhalb von Japan nur sehr wenig von diesen Aktivitäten mitbekommt.

Eine weitere sehr interessante Idee, war die Vorstellung aller wichtigen Rubyimplementierungen. So wurde JRuby, Rubinius, IronRuby und MRI vorgestellt. Das besondere dabei, alle Vorstellungen wurden von keinen Geringeren als den Kernentwicklern selber gehalten. Die JRuby Leute stellten die Plattformunabhängigkeit (Ruby Demos auf einem Android Telefon) zur Schau, Rubinius wurde im Kontext neuer Kompilierungstechniken von Rubycode präsentiert. IronRuby zeigte seine Stärken bei der Interaktion mit anderen .NET Sprachen und während der Präsentation von MRI wurden zukünftige Entwicklungsfelder von Ruby evaluiert. So gibt es derzeitig finanzielle Unterstützung von Firmen um Ruby im High Performance Computing Sektor und Embedded Bereich voran zu treiben.
Alles in Allem eine gelungene erste Konferenz und mit knapp 600 Teilnehmern bereits eine der größten Ruby Konferenzen der Welt. Japan hat innerhalb der letzten vier Jahre mit der RubyKaigi und der RubyWorld Conference ein starkes Gegengewicht im Ruby Konferenzsektor erzeugt. Es gibt keinen Grund mehr, warum sich eine dieser Konferenzen vor der EuRuKo oder RubyConf zu verstecken brauch.
Kommentar schreiben
Kommentare
Kann man sich die Vorträge irgendwo ansehen? Das wird doch sicher alles mitgeschnitten.
Hi Kai, ich hab gesehen, dass die Vortra:ge aufgezeichnet wurden, hab aber noch keine Informationen dazu gefunden, wo sie gehostet werden.