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Debian nervt

von bovi am 20.03.2010 (14 Uhr)

Vor ein paar Tagen fing es mit einem allgemein bekannten Thema an. Auf der Mailingliste wurde der Thread Recommended way to install Rubygems eingestellt. Die Frage war kurze Zeit später beantwortet. Die Antwort lautete: Deinstalliere die kaputten Debian Pakete und übersetze dein Ruby direkt aus dem Quelltext. Das wollte jedoch der Maintainer der Debian Ruby Pakete so nicht stehen lassen. Also ging eine Diskussion nach folgendem Muster los:

Knapp 60 Mails später war selbstverständlich nichts geklärt, alle möglichen Schimpfwörter waren ausgetauscht und beide Seiten fühlten sich immer noch im Recht.

Lizenz Foo

Parallel dazu ging es auf ruby-core um das Thema [Bug #2982] Ruby tries to link with both openssl and readline. Teilnehmer war hier ebenfalls der Ruby Debian Paketverwalter. Dieser merkte an, dass die Verwendung von Readlines und OpenSSL in ein und demselben “address space” illegal wäre. Natürlich aus Lizenz Foo Gründen. Aus der Diskussionen ergaben sich viele tolle Aussagen:

Es sollte also ein Problem, was in den letzten 10 Jahren niemanden gestört hat, bereinigt werden, in dem man den Quelltext wegschmeißt und alles noch mal neu schreibt. Und alles wofür? Um eine Lizenz zu befriedigen? Von wegen. Welcher Mensch mit gesundem Menschenverstand verklagt denn ein anderes Open Source Projekt, weil es sich nicht an die Open Source Lizenz eines anderen Open Sourcen Projektes rigide richtet? Das ist doch an den Haaren herbeigezogen.

Hier geht es einzig und allein um die Profilierung von Leuten, deren Distribution niemand mehr haben will. Es tut mir echt nicht leid Debian. Ihr seit zu träge, zu dogmatisch und scheinbar zu inkompetent eure eigenen Probleme zu lösen ohne selbst wieder neue Probleme zu erzeugen.

Geht es noch?

Also um das mal zusammen zufassen:

Debian erzeugt durch Ihre eigene Paketverwaltung riesige Probleme bei der Verwendung von Ruby, welche so in der Standarddistribution nicht vorhanden sind. Aber anstatt Ihre eigenen Probleme selber zu lösen (wie das sehr viele andere Distributionen hinbekommen), macht Debian das alles zu einem Problem der Ruby Community. Wieviele Fragen auf der Mailingliste oder im Forum gab es eigentlich schon bezüglich Debian Dependencies Foo?

Desweiteren wollen diese FSF Freaks von Debian ein seit über 10 Jahren bestehendes Konstrukt, OpenSSL kann vom Anwender gleichzeitig mit Readlines eingelinkt werden, als riesiges Problem brandmarken. Dabei sei erwähnt, dass nicht die Ruby Community entscheidet, wie jeder Einzelne sein Ruby beim Kompilieren linkt. Das ist einzig und allein Sache des Anwenders, sich an die Lizenzbedingungen zu halten.

Und überhaupt… Wir reden hier von reinen Open Source Projekten. Diese Leute sollten mal Ihre Feinderkennungssoftware deutlich überarbeiten. Aber wahrscheinlich wird die genauso schlecht verwaltet, wie die Ruby Pakete in Debian.


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Kommentare

  1. ischroedi schrieb am 20.03.2010 (14 Uhr)

    Alternative: Ubuntu :-)

  2. joschi schrieb am 20.03.2010 (14 Uhr)

    @ischroedi: Ubuntu wuerde ohne Debian kaputtgehen oder zumindest in grosse Schwierigkeiten geraten. Hast du dir ausserdem mal das Changelog des Pakets ruby1.8 unter Ubuntu angesehen? Faellt dir etwas bei den E-Mail-Adressen der Autoren auf?

  3. bovi schrieb am 20.03.2010 (14 Uhr)

    Eigentlich witzig. Nach dem die jetzt aktuelle Ubuntu Beta releast wurde, proklamieren die ganzen eingeschworenen Ubuntu Fans, doch wieder auf Debian zu wechseln. Welche Ironie. Aber Rubymäßig nehmen die sich nichts. Wie joschi schon erwähnt hat. Ist der selbe Mist, nur mit kürzeren Releasezyklen.

  4. anrichter schrieb am 20.03.2010 (15 Uhr)

    Was ist mit Ruby Enterprise Edition? Die scheint gegen OpenSSL und readline compiliert zu sein. Also genau das, was du bei den Debian-Paketen proklamierst. Und – tataaaa – es gibt auch ein DEB-Paket zum einfachen Installieren.

    Alles wird gut :)

  5. badboy_ schrieb am 20.03.2010 (16 Uhr)

    Ja, Debian und Ruby, ein nie enden wollendes Thema. Das merke ich ja allein schon auf meinem vServer, der auch mit Debian läuft.

    Auf meinem Laptop reicht ein “pacman -S ruby” um alles zu haben (selbst Ruby 1.8 und 1.9 hab ich problemlos parallel installiert). Auf dem Server dagegen habe ich mir Ruby dann lieber selbstkompiliert, weil dann auch alles dort landet, wo es hinsoll und ich alles dabei hab.

  6. murphy schrieb am 20.03.2010 (22 Uhr)

    Ich glaube das eigentliche Problem heißt apt vs. gem. Ich finde es schade, dass Debian-Benutzer es so schwer damit haben. Ich release deshalb zum Beispiel CodeRay auch als .tgz auf RubyForge.

    Die Gentoo-Leute hingegen sind zwar mit einem .gem zufrieden (angeblich erzeugen sie daraus ein eigenes Paket…), aber sie wollen unbedingt Tests für alles.

    Distributionen sollten lernen, dass freie Software sich nicht in einen Kanon einspannen lässt. Paketmanager sind immer nur die halbe Antwort.

  7. case schrieb am 21.03.2010 (12 Uhr)

    auf debian/ubuntu bin ich noch nie auf die idee gekommen ruby über apt zu installieren und seit es ubuntu gibt, habe ich auch debian den rücken gekehrt! mag sein, das ubuntu ohne debian anfangs ein paar probleme hätte, aber ich glaube die würden sich lösen lassen! debian schaufelt sich sein eigenes grab! ruby ist ja nicht das einzigste projekt, welches unter debian probleme hat… (stichwort openssh und der “tollen” murkserei des maintainer, welche zu massiven unsicheren ssh schlüsseln gesorgt hat!)

  8. joschi schrieb am 22.03.2010 (16 Uhr)

    @anrichter: Was technisch geht und was lizenzrechtlich erlaubt ist, sind zwei Paar Schuhe. Zumal das DEB-Paket fuer REE nicht von Debian stammt. Rein technisch kann man Tracks von CDs in MP3-Dateien konvertieren und im Internet zum Download anbieten. Lizenzrechtlich ist dies aber in der Regel eher nicht erlaubt.

    @murphy: Aber gerade die Paketmanager machen einen grossen Teil des Erfolgs von Linux Distributionen aus. Im Prinzip ist das doch der einzige Sinn einer Distribution: Auswahl von Paketen, QA und dann die Moeglichkeit, diese Pakete einfach und einheitlich zu installieren. Ich gebe dir Recht, dass es manchmal muehsam ist. Eine sinnvolle Alternative waeren Paketmanager, die mit externen Paketverwaltungsmechanismen umgehen koennen – im Sinne eines Gem- oder eines CPAN-Plugins fuer Aptitude, apt-get, YUM und YaST inklusive Abhaengigkeitsverwaltung. Das muss aber erstmal jemand entwickeln.

    @case: Ubuntu von Debian loesen? Nicht solange noch rund 74% der Pakete direkt und 18% indirekt (d. h. mit zusaetzlichen Patches) von Debian uebernommen werden! (Quelle: http://www.loria.fr/~lnussbau/files/lca2010-ubuntu-debian.pdf) Debian hatte in juengster Vergangenheit einige Probleme mit der QA, das ist richtig. Diese Faelle waren bei weit verbreiteten Paketen (z. B. PHP/Suhosin) oder waren massive Fuckups (OpenSSL…), aber im Grossen und Ganzen ist Debian ein gute Distribution.

    Ueberlegt doch einfach mal, wo Freie Software im Allgemeinen und Linux im Speziellen heute ohne Debian Linux und deren Haltung zu Lizenzen waere.

    Sind wir mal ehrlich: Auch wenn die Sturheit bezueglich der Lizenzen manchmal nervig ist, so ist sie doch wichtig, damit die Leute die Vorteile der Lizenzen nicht verspielen.

  9. case schrieb am 22.03.2010 (17 Uhr)

    diese sturheit ist nur nicht mehr zeitgemäss und das ein open source projekt (debian) einem anderen projekt (ruby) etwas vorschreibt passt nicht zum freien gedanken! wenn debian der meinung ist, das ruby nicht in debian aufgenommen worden sollte, dann sollen sie es rauswerfen. irgendwer wird schon ein offizielles ruby.deb auf der ruby seite bereitstellen (inkl anleitung zum apt source list erweitern usw. sagt doch keiner das ruby direkt von debian kommen muss…

  10. WoNáDo schrieb am 22.03.2010 (21 Uhr)

    Nur mal eine dumme Frage – ist es denn generell so schwer sich auf einem Linux-System einfach Ruby zusammenzubauen? – Ich meine, es ging ja sogar unter Windows mit MSYS/MinGW relativ gut.

  11. bovi schrieb am 22.03.2010 (22 Uhr)

    @Wolfgang: Es ist eigentlich recht trivial selbst ein Ruby zu kompilieren. Aber die Installation mit apt-get ist natuerlich noch um ein vielfaches einfacherer.

    Ich unterstuetze absolut den Gedanken, pro Distribution nur eine Paketverwaltung zu pflegen, damit dann auch nur ein Index aktualisiert werden muss. Aber es kann einfach nicht sein, dass eine weitere Instanz entscheidet, was in einer Standard Ruby Installation drinne ist. Das Argument Speicherplatz sparen, ist bei Festplatten in groessen von Terabytes und Internetanschluessen in groessen von Mbit/s einfach nur laecherlich. Keinen Hansi stoert es, wenn auf einem normalen Server halt irb gleich mitinstalliert wird. Meiner Meinung nach sollte apt fuer gems nur ein Frontend auf rubygems sein. Das wuerde beiden Seiten eine Menge Aerger sparen. Zu dem Lizenzkram sag ich erstmal nichts mehr. Ich sehe ein, dass wir Debian sehr viel zu verdanken haben. Trotzdem ist es fuer mich immer noch laecherlich, wenn sich zwei Open Source Projekte um Lizenzwirrwar streiten. Das ist sicherlich niemals die Idee von “Freier Software” gewesen.

  12. captainhaggy schrieb am 07.06.2010 (16 Uhr)

    seufz

    Das war seit langem der geilste Blogeintrag, den ich gelesen habe. Noch eine gute Rechtfertigung mehr, das ich Debian hinter mir gelassen habe ;)

    Danke für diesen echt lesenswerten Artikel!

  13. muh schrieb am 25.06.2010 (21 Uhr)

    lol Das Kleinkind rebeliert gegen den Papi. mehr fellt mir dazu nicht mehr ein :D